Sexual-ABC

Frauen und Männer mißverstehen sich ja gern. Nirgendwo anders aber als auf dem Gebiet der praktizierten Sexualität treten Unstimmigkeiten so geballt auf. Natali Michaely und Harald Braun beweisen mit freien Assoziationen zu arglosen Stichworten, wie es um Frau gegen Mann bestellt ist.
Was Sie sagt:  Was Er sagt: 
Alkohol: 
Zwei Piccolo, und schon verwandelt sich die geheimnisvolle Schöne an seiner Seite in ein hysterischen Giggelmonster? Als wissenschaftlich erwiesen gilt: Frauen vertragen weniger Prozente als Männer. Hat was mit einem unterentwickelten Enzym in der Magenschleimhaut zu tun. Was aber die aphrodisierende Wirkung angeht, sollte kein Typ das Durchhaltevermögen von XX-Chromosomenträgerinnen unterschätzen. Die haben auch nach dem zweiten bis zehnten Herrengedeck noch heftigen Spaß am Manne. Und finden's gar nicht prickelnd, wenn der kampftrinker an ihrer Seite vorzeitig das Handtuch wirft.  "Betrunkene Frauen sind Engel im Bett", so lautet eine beliebte Losuung pubertierender Jünglinge. Eindeutig ein falscher Ansatz. Es geht wohl mehr darum, die ansonsten nüchtern-standhaften Mädels überhaupt da reinzukriegen. Ob breite Bräute im Bett schneller und schärfer zur Sache kommen, muß nämlich angezweifelt werden - beim Versuch, die weiblichen Abwehrtruppen im Alk zu ersäufen, kriegen Männer selbst zuviel Munition ab, um in dieser Frage ein sachliches Urteil fällen zu konnen. Angetrunkene Männer können definitiv länger - und halten sich deshalb für Weltmeister im Bett. Leider haben sie diese Einsicht exklusiv. Der Spruch "Der merkt ja nix mehr" dürfte bekannt sein. Das ist in etwa die durchschnittliche Haltung all der Frauen, die schon mal das Vergnügen hatten, von einem bierbetriebenen Preßlufthammer penetriert zu werden. 
Analsex: 
Die klassische Situation: Mitten im heftigsten Verkehrsgetümmel öffnet er umständlich eine Anstaltspackung Vaseline unt nimmt heimlich, still und leise Kurs auf ihren Schließmuskel. Sie manövriert ihn freundlich, aber bestimmt dahin, wo er aus fortpflanzungstechnischen Gründen auch hingehört. Dann fragt sie sich: Ist er schwul oder bi? Und verwirft dieses Klischee gleich wieder. Fragen kommt auch nicht in Frage. Die Doggie-Style-Nummer auszudiskutieren hat die Erotik eines Linienbusses. Sollte er tatsächlich eine Erklärung für ihre Verweigerungstaktik verlangen, rufen Sie ihm folgendes in Erinnerung: a) Seine letzte Wurzelbehandlung, sprich: Es tut höllisch weh! b) Daß das neue Persil-Hyper-Supra-Mega-Konzentrat zwar fast alle kann, aber eben nur fast! c) Daß dreitägige Dauerblähungen nicht unbedingt Ihrer Vorstellung vom Nachspiel einer netten Nacht entsprechen. d) Die Tatsache, daß es jede Menge vielversprechender Männersaunen in der Stadt gibt. Sollte er immer noch nicht wissen, wovon Sie reden, hilft nur der Griff zu genmanipulierten Monsterzucchini. Die sollten doch seiner Phantasie auf die Sprünge helfen.  Der oft gehörte Vorwurf weiblicherseits, Analsex sei eine Beischlafform der erniedrigenden Art und genau deshalb tät's der Mann gern machen, muß vorurteilsfreien Sexgymnasten als ausgereifter Schmarren erscheinen. Das Geheimnis seines Erfolgs: Es ist einfach enger. Abgesehen davon, daß ein gewisses Maß an Hygiene unbedingt Voraussetzung ist, um aus dieser Spielart der gemeinen Landwirtschaft höchstes Vergnügen zu ziehen, sollte man zuvor dezent Einigkeit erzielen. Denn, wie wir alle wissen: no pain, no gain! 
BH-Größen: 
Weihnachten - Fest der Liebe, der Dessous, der herben Enttäuschungen. Natürlich hat er mit dem schicken Lejaby-Teil größenmäßig mal wieder voll danibengehauen. Dabei sind weder Wunschdenken noch purer Sadismus dran schuld, daß die Kate-Moss-Liebste gerade in einem spitzenbesetzten Einmannzelt unterm Christbaum versinkt. Vielmehr das alte Klischee, daß Jungs mit Zahlen mehr anfangen können als mit Buchstaben. 75 - kein Problem! In Schniedelträger-zeitrechnung so was wie das Jahr eins nach dem WM-Siegtor von kleines dickes Müller. Dab B dagege wird Opfer eines Verdrängungsmechanimus, der garantiert mit der altklugen Streber-Else zu tun hat, die schon in der ersten Klasse "Legastheniker" rückwärts buchstabieren konnte. In diesem Sinne: Sparen Sie sich langwierige Erklärungen über Brustumfänge, Körbchengrößen und den Unterschied zwischen Aprikosen und Melonen. Die Literflasche "cK one" macht auch glücklich.  Überschätzte Maßeinheit für Lebensfreude und Erotik, von Bindegewebsfetischisten wie etwa Russ Meyer grundlos gehypt. Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, die Attrktivität eines gewöhnlichen Automobils an seiner Größe festzumachen? Ach ja? Was halten Sie dann vom Vergleich eines Opel Kapitän Kombi mit einem Porsche Cabrio? Oder der Gegenüberstellung von Nicole "Kombi" Smith und Kate "Cabrio" Moss? Das wahre Leben hat doch mehr zu bieten als pralle Masse - selbst für Männer. 
Blow-Job: 
Dinge, die Frauen beim Fellatio durch den Kopf gehen: 1. Gott sei Dank, er hat sich mal wieder gewaschen! 2. Hilfe, ich krieg' keine Luft mehr / einen Kieferkrampf / einen Würgereiz. 3. Steht noch eine Flasche "Odol" in der Vorratskammer? 4. Zum Glück liegt die Polaroid im Küchenschrank! 5. Wenn er sich beeilen würde, kann ich es gerade noch bis "Melrose Place" schaffen...  Schöne Möglichkeit, in weniger als 45 Sekunden zu einem veritablen Samenerguß zu kommen, ohne sich die Schuhe ausziehen zu müssen. Vermutlich beliebteste erotische Spielart von Männern aus mehreren Gründen: 1. Das raffinierte Zusammenspiel von saugender Mundhöhle und mahlendem Unterkiefer kriegt eine untrainierte Vagina niemals hin. 2. Mann oben, Frau unten: Der oberflächliche Zuckerstreusel von 25 Jahren Emanzipation verfliegt in 25 Sekunden ... 3. Sex relaxed: Ein Blow-Job treibt den Schweiß nicht annähernd so arg wie ein normaler Akt. 4. Man kann währenddessen sogar ein Auto lenken. 5. Männer können über den Witz "Wie muß die perfekte Frau sein? - 1,20 Meter hoch mit plattem Hinterkopf, damit sie beim Blasen stehen und man ein Glas Bier auf ihrem Kopf abstellen kann" tatsächlich noch lachen. 
Boa Ey!: 
Waschbrettbäuche, Knackpos - und geputzte Zähne. Man ist ja doch nicht wählerisch.  Derbe Botten zu kurzem Rock zu langen braunen Beinen. Hochgesteckte Haare, Brille und Bustier. Kleine, feste Brüste. Wozu weiß man denn sonst, was man will? 
Cellulite: 
Das Haßwort. Steigerung von Eiterpickel, Damenbart und Hammerzehen. Fast jedes weiblich Wesen investiert in seinem Leben mindestens den vollen Gegenwert einer Mittelklasse Limousine in Algentees Massagebürsten und Folterinstrumente, um diesem Greul entgegenzuwirken. Daß nichts davon hilft - logisch. Nur Männer sollten es nie, nie erwähnen!
Fakt ist: Die Fettzellen sind bei Frauen anders ausgerichtet als bei Männern. 
Eine Art Glatze für die Frau. Kriegen Männer selten selbst, aber oft zu hören. "Sie ist doch erst 34", dichtete "Bild" und zieh Lady Di - mit Beweisfoto - der Schrumpelhaut. Die konterte mit dem Verweis auf das unvorteilhafte Muster des BMW-Autositzes, welches sich tief in den Oberschenkel gebrannt haben soll. Ähnlich einfallsreich hört sich an, was Männer im Gemach der Süßen zu hören bekommen, wenn sie auf die Wülste hinweisen. Vorsicht: Cellulite zu melden oder auf Nachfrage auch nur zu bestätigen eine ganz andere. Äußerst fiese Beziehungsfalle mit üblen Langzeitwirkungen. 
Erogene Zonen: 
Nach dem Motto "Argentinien ist auf der Weltkarte auch immer unten links" schreitet er zu Tat: ein paar Fingerübungen an der Brust und Keule, dann zielstrebig per Zunge das Innenohr ertränkt. Nur: Was die Ex in andere Sphären gebeamt hat, muß selbst die gutwilligste Nachfolgerin noch lange nicht prickelnd finden. Im Zweifelsfall einfach mal nachfragen. Denn daß die Liebste sich auch ab und zu mal Gedanken über Hydrokulturen oder den Verseuchungsgrad des Katzenklos macht, ist sicher nicht so ganz verkehrt. Nur gibt es dafür doch wesentlich günstigere Zeitpunkte als das Vorspiel zu einem ausgewachsen-ausgeschlafenen Liebesspiel?  Werden merkwürdigerweise fast aus schließlich bei Frauen diskutiert, als ob sich beim mann das ganze Spiel im Strafraum abspielen würde. Glaubt man den Frauen, schweben erogene Zonen als eine Art "Goldenes Vlies" stets über der Matratze - offenbar muß mindestens Indiana Jones auftauchen, um sie ausfindig machen zu können. Zumindest aber eine ungefähre Vorstellung von Lage und Beschaffenheit der mystischen Sektoren sollte auch der gewöhnliche Beischläfer in seinem eigenen Interesse mitbringen. 
G-Punkt: 
Wie Atlantis - sagenumwoben, nie gefunden: 99,9 Prozent aller weiblichen Wesen warten vergeblich auf die Schlagzeile "Hurra, Maria K. aus P. endeckte ihn scharf links neben der Bandscheibe!" Doch wenn wir ehrlich sind: Irgendwie gibt's auch Wichtigeres im Leben.  Weibliche Erfindung, um Männer zu beschämen, die dieses Ding nicht finden können. Den G-Punkt gibt's nur do, o Wolpertinger, schönere Frauen als Winona Ryder und gute deutsche Popmusik zu Hause sind: Im Phantasialand. Pah! 
Homosexualität: 
Verdächtig sind grundsätzlich a) all die Ignoranten, die uns verlassen haben, b) Kerle, die transparente Blümchenkleider mit Nichtbeachtung strafen, c) jeder halbwegs attraktive Mann ohne weibliche Begleitung. Sollte die umwerfende Kneipenbekanntschaft außerdem noch nett und einfühlsam sein und Dolce & Gabbana nicht für einen Formel-1-Rennstall halten, hilft im Zweifelsfall der Kühlschranktest: Lachsschinken, Prosecco und Diät-"Lätta"? Vergessen Sie's, er wird immer nur ein guter Freund bleiben. Was den Sechserträger Löwenbräu und die angegraute Aldi-Cervelatwurst angeht - hier könnten Sie eigentlich in die Offensive gehen. Wenn Sie das denn tatsächlich wollen ...  Burschen in Cashmere und Pferdelederschuhen, die klügere Bücher lesen, besser tanzen und gebildeter parlieren als die Kollegen auf der heterosexuellen Weide. Werden gerade von der Markenartikelindustrie als kaufkräftig-kreative Klientel erschlossen un erscheichen sich feixend die höheren gesellschaftlichen Weihen durch schlichte Demonstration merkantiler Macht. Werden von attraktiven Frauen gern als Rollenmodell vorgeschlagen, was nicht unbedingt zu ihrer Beliebtheit beiträgt. Lesbische Frauen dagegen nimmt Mann nur wahr, wenn sie in lila Latz mit Brikettfrisur auftauchen. Beim großen Rest vermag er es sich nicht einmal vorzustellen, daß eine sich NICHT für ihn interessieren könnte. 
Iiiihh: 
Rückenpelz, Nasenhaare, Brotkrümel im Bart, Tiger-Tangas, ausgeleierte Feinripp, Fußnagelmutationen, popeln und Schweißfüße. Und schlechte Manieren. Definitiv.  Dunkle, Beinhaare unter weißer Nylonstrumpfhose. Lackierte, 15 Zentimeter lange Fingernägel. Verwaschene Jeans mit Hochwasser auf weißen Billigpumps ohne Strümpfe. Kaugummimahlende Wangenknochen während des Vollzugs. 
Klitoris: 
Die Klitoris ist keine griechische Insel. Im Gegensatz zum G-Punkt ist sie durchaus existent. Noch schlimmer als die Ignoranzhaltung des gemeinen 08/15-Kopulierers sind Schrammelkünstler á la Jon Bon Jovi. Wer sich nicht als Halbakkustische oder Kaugummi mißbrauchen lassen will, drückt dem Grobmotoriker in seinem Schoß zur Abwechslung vielleicht mal die neueste "Bravo" in die Hand. Jeder fängt mal klein an.  Beliebtere Dreh- und Reibscheib eines durchschnittlichen schlimmen Fingers als ein Rubbellos der Süddeutschen Klasselotterie. Und zu gewinnen gibt's auch was: glückliche Stoßseufzer freudig erregter Damen. Vorausgesetzt, die nervöse Schaltzentrale des erotischen Erschauerns wird nicht von einem übereifrigen "Meister Proper" behandelt wie der Terrakottaboden in der Diele. 
Masturbation: 
Die Do-it-yourself-Nummer. Natürlich greifen weibliche Wesen nur darauf zurück, wenn sie a) einsam und frustriert sind, b) ihren Wohnsitz für unbestimmte Zeit in die JVA Stammheim verlegt haben, c) ihre zeugungsfähigen Jahre der Anbetung dem Take-That-Gitarristen geweiht haben. Glauben zumindest Weichteilträger, und ausnahmsweise können sie diesmal nichts dafür. Schuld sind einsame und frustrierte Drehbuchschreiber, die ihre Protagonistinnen a) nur in Ermangelung des lebenden Objekts und b) nur betront mußmutig an sich rumschrauben lassen ("Sliver", "Weiblich, ledig, jung sucht"). Die Wahrheit sieht allerdings anders aus: Doch, Frauen tun es. Doch, Frauen haben Spaß dran. Doch, Schäferhunde und Tankwarte können auch was damit zu tun haben.  Pädagogoische Schlachtfeste wie etwas "Davon kriegst du Rückenmarkschwund" oder "Du hast nur tausend Schuß!" haben schon dem jungen Wichser Angst- und Schuldgefühle aufgeladen. Die wird er zeit seines Lebens nur schwer los, zumal auch die Bibel explizit davon abrät, seinen "Samen abzuschlagen". Dabei ist die Selbstbefriedigung bzw. das begleitende Kopfkino dazu der einzige Weg, mit der Chefin, Michelle Pfeiffer oder einer Tagesschausprecherin das Lager zu teilen. Zumal Nervkommandos im Stile von "Nein, nicht so, weiter unten, schneller, fester ...etc." bei der Selbsthilfe entfallen. Es spricht also prinzipiell nichts dagegen, auch im reiferen Alter noch selbst Hand anzulegen. Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle aber auch der Einwurf des Kabarettisten und Boxreporters Werner Schneyder: "Das Ungesunde an der Selbstbefriedigung ist, daß es sie nicht gibt." Auch wieder wahr. 
Menstruation: 
1. In weiblicher Frühzeit beliebte Ausrede, um den Segnungen des Sportunterrichts zu entgehen, bzw. Grund, an seinem Frausein zu zweifeln, weil man sie noch nicht hat. 2. Anlaß für peinliche TV-Spots, ausgebrütet von kreativen Dünnbindenbohrern führender Monatshygienehersteller. 3. Grund genug, um ungestört im Bett rumzugammeln, nur unterbrochen vom wärmflaschennachfüllenden Leibeigenen, er besorgt fragt: "Ist es immer noch so schlimm, Liebling?" Ja. Es ist schlimm. Gäbe es Vergelichbares beim Mann dürften sich XY-Chromosom-Träger ein bis zwei arbeitsfreie Menstruationstage pro Monat nehmen. Bei vollem Lohnausgleich.  Vorsicht: Die Frage "PMS?" oder "Hase dein Tage, oder watt?" bei abendfüllender Übellaunigkeit wird gern mit einer zähen Grundsatzdiskussion über "Macho-Attitüden" gekontert. In Männerkreisen wird auch gern der Themenkreis "Darf man eigentlich währendessen 'verkehren'?" debattiert. Favorisiertes Fazit: im Prinzip ja, kommt auf die Anzahl der Bettwäschegarnituren an. In der Regel können Männer die Menstruation nicht leiden. Eine Ausnahme: Nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr lautet die allmorgendliche Standardbegrüßung am Monatsende: "Und?" 
Migräne: 
Auszug aus dem Standartrepertoire der gemeinen GV-Verweigerin: 1. Phantomschmerzen (Kopf, Rücken oder Beine). 2. Plötzliche Tiefschlafattacke. und 3. Plötzlicher Tod. Achten Sie, wenn Sie schon seine inneren Werte mehr schätzen als seine äußeren Geschlechtsmerkmale, vor allem darauf, daß Sie keine Ausrede wirklich nicht öfter als dreimal wöchentlich und - Punkt 4 - nur in akuten Notfällen verwenden. Leider unumgänglich, denn auf permanent unbegründeten Beischlafboykott steht in der Regel der Platzverweis.  Ungefähr so beliebt wie Zahnschmerzen, aber häufiger und schwerer zu beahndeln. Die Vokabel "Migräne" steht für Generationen von Männern als Mahnwort für Ablehnung, Niderlage und Dauererektion. Zu den ewigen Fragen der Menschheit "Macht mein Leben Sinn?" oder "Werde ich eines Tages eine Gehaltserhöhung beziehen?" gehört auf jeden Fall: "Warum haben Frauen immer weniger Lust auf Sex als Männer?" Unterhandel im Gemach übrigens, das nur als Tip, ist in 99 von 100 Fällen hoffnungslos. Leidenschaft ist definitiv kein Diskussionsergebnis. 
Orgasmus: 
Franzosen nennen ihn auch "la petite mort" (der kleine Tod). Womit sie gar nicht so verkehrt liegen, denn eifrige Zeitgenossen, die sich im 20-Sekunden-Takt erkundigen, ob es ihrer Bettgefährtin denn schon "gekommen" sei, verdienen nichts anderes. Was Kerle mit Ambitionen auf eine Sechskommanull in der B-Note außerdem noch unbedingt vermeiden sollten: dem Zeigefinger Schonfrist gewähren, nur weil Erika Berger irgendwann mal den Begriff "vaginaler Orgasmus" erwähnt hat (siehe Klitoris). Oder: viel, viel schlimmer, nach erfolgreicher Ejakulatentledigung mit einem freundlichen "Du kommst sicher auch ohne mich zurecht" flugs "Das aktuelle Sportstudio" imn ZDF einzuschalten. So was verjährt nie.  Prinzipiell durchaus eine feine Sache. Kommt aber entweder zu früh (bei einem selbst) oder nie (bei ihr), was in beiden Fällen ziemlich peinlich ist und in der Postsexphase unweigerlich zu längeren Auseinandersetzungen führt. "Kommt" sie überhaupt, gilt das dem modernen Mann inzwischen als Ritterschlag und ist dementsprechend anzustreben - im Gegensatz zu der gängigen Praxis vergangener Tage, nach dem eigenen Erguß ohne viel Aufhebens vom Beischlaf zum Schlaf überzuwechseln. Ein "gemeinsamer" Orgasmus wird häufig als Nonplusultra des sexuellen Erlebnisses dargestellt. Er erfordert aber mehr strategisches Geschick als eine Partie Kasparov gegen Bobby Fisher und wird stark überschätzt. 
Penis: 
Genau. Dieses seltsame Körperteil, das sich größenmäßig seiner Umgebung anpassen kann und mindestens so gehegt und gepflegt werden will wie ein 500-Mark-Bonsai. Männer halten es gewöhnlich für wichtiger als das Kleinhirn. Frauen würden das so nie unterschreiben, finden es im erigierten Zustand bisweilen aber auch ganz unterhaltsam.  Ist für Männer genauso unkontrollierbar wie ein Turbo-Porsche, hat aber den Vorteil, das man sich ein paar Spritztouren mit dem Ding auf jeden Fall leisten kann. Fungiert im erigierten Zustand als Autopilot des Mannes, was dieser im Anschluß an billige Vergnügungen dann auszubaden hat, während sich der feige Verursacher aller nun unweigerlich auftretenden Probleme so klein wie möglich macht. Apropos klein: Er ist immer zu klein. Obwohl der aufgeklärte Mann weiß, daß die Größe seines Schwanzes nichts über ihn als Mensch aussagt, kultiviert der Kleinschwänzige einen ausgewachsenen Komplex. Der Autorin Erika Jenninger stimmen Männer übrigens vorbehaltlos zu, die da einst sagte: "Nach dem Ficken ist der Schwengel nutzloser als eine Kunststofftapete in der Hundehütte." 
Phantasien: 
Darauf greifen nicht nur Zeitgenossen zurück, die sich nach einer ausgedehnten Zechtour durch schlecht beleuchtete Lokalitäten neben einem Neandertaler auf der matratze wiederfinden (und vor dem Trick mit der Plastiktüte überm Kopf zurückschrecken). Auch in der harmonischen Zweierbeziehung können erotische Phantasien friedlich und anregend koexistieren - sofern sie geheim bleiben! Eine Kopfkinonummer mit der schwedischen Damen-Volleyballmannschaft könnte sie ihm ja eventuell noch verzeihen. Entsprechendes mit ihrer Mutter, Schwester oder besten Freundin - niemals! Und ob er im umgekehrten Fall zwölf Runden Kampfkopulieren mit David Hasselhoff und dem vereinten männlichen "Baywatch"-Team ohne größere psychische Schäden verkraftet, sei auch dahingestellt.  Die meisten erotischen Phantasien sind nur scharf, solange sie Phantasien bleiben. Weder der Akt im Aufzug, auf dem Küchentisch oder am Strand ist unbeschränkt alltagstauglich. Oder gehören Ihrer Ansicht anch Erregung öffentlichen Ärgernisses, Nutella am Schamhaar oder fiese Kleintiere in der Afterfurche zu den üblichen Spaß-Accessoires? Falls sie aber einmal in der Situation sein sollten, ihre erotischen Phantasien mit Winona Ryder oder Richard Gere ausleben zu können, zögern Sie nicht ... 
Reizwäsche: 
Euphemismus für geschmacklose Unterwäsche aus Polyacryl, die ständig kneift, reibt oder klemmt. Das unauffällige Entfernen eines mit Plastikspitze besetzten Tangastrings aus der Poritze oder die Wiederanbringung eines Strumpfes in der Strapsklemme während des Besuchs eines überlaufenen Szenelokals bedar der Übung bzw. Wiederholter Besuche auf der Damentoilette, was bei der männlichen Begleitung zu erheblichen Irritationen führen kann. Trotzdem kommt es immer wieder zum selbstlosen Einsatz solcher Teile, da deren Anblick beim Männchen angeblich zu verstärktem Speichelfluß ("sabbern") und erhöhter Paarungsbereitschft führen soll. Die erträglichere Variante einkommensstärkerer Schichten nennt sich "Dessous" und ist aus Seide.  Der Doppelspaß fürs Bett: Er gibt's IHR um SICH eine Freude zu machen. Leider haben die textilen Heißmacher einen erheblichen Nachteil: je kleiner der Stoffhauch, um so größer das Loch auf dem Konto. Deshalb versucht der wahre Genießer auch, die Frau zur Dessous-Selbstversorgerin zu animieren. Eine Warnung: Männer, die sich selbst in Satinhöschen mit und ohne Eingriff zwingen, erzielen häufig nicht den angestrebten Effekt. 
Spielzeug: 
Schockt in Zeiten von denen Fleischereifachverkäuferinnen mit buntbebrillten Moderatorinnen über die Vorzüge des "Rotierenden Riesen" diskutieren, keinen mehr. Taktvolle Userinnen verkneifen es sich allerdings, dieses hartplastikprachtstück aus der "King Kong"-Sondergrößenserie neben dem Kopfkissen ihres Liebsten zu deponieren. Das ist nicht nett, schafft Frust und hat schlimmstenfals zur Folge, daß Sie demnächst eine Pamela-Anderson-Attrappe aus Naturkautschuk im Besenschrank finden.  Es ist peinlich, eine Gespielin aus Latex unter dem Bett zu verstecken, auch wenn sie nichts gegen Analverkehr einzuwenden hat und Sperma als Grundnahrungsmittel akzeptiert - früher oder später spricht sich so was rum. Ansonsten ist "Spielzeug" nicht nur teuer und an Orten zu erwerben, an denen man sich nicht unmaskiert sehen lassen sollte, sondern birgt auch eine Menge Gefahren: Was ist, wenn deine Freundin beginnt, ihren Dildo mit deinem Namen anzusprechen, wenn dir im falschen Augenblick die Zahlenkombination deiner Handschellen entfällt oder die Knoten der Strangulierweste nicht mehr zu öffnen sind? 
Verhütung: 
Dieses Thema in einer Beziehung, vor allem wenn sie erst drei Weinschorle alt ist, anzusprechen, führt immer wieder zu Verzögerungen im Vollzug, ist aber ein gutes Mittel, geistig unterbelichtete Bettkandidaten im Vorfeld auszusieben. Anlaß zur Disqualifikation ist beispielsweise die Äußerung: "Ich dachte, du nimmst die Pille!" Diese ist vor dem Hintergrund historischer Irrtümer wie Keuschheitsgürtel oder Enthaltsamkeit zwar ein Fortschritt, allerdings findet bis auf das Kondom Verhütung in ihren vielfältigen Erscheinungsformen noch immer im weiblichen Körper und in weiblicher (eigen-) Verantwortung statt.  Gesundheitsgefährdend! Ist der Vollzug körperlicher Freuden eng mit Kondom-Übereinkünften verknüpft, neigen ansonsten völlig gesunde Männer zu Amnesie-Anfällen: "Gummies??? Ach ja..." Weiterhin wird der Umstand, daß es die Pille für den Mann noch nicht gibt (aber es kommt ja langsam), gern dadurch kompensiert, daß die Rezepte des Frauenarztes großzügig bezahlt werden. 
Wet Wet Wet: 
Beziehungsweise Vaginal- oder Gleitflüssigkeit. Das weibliche Äquivalent zur Erektion wird gern als Indiz überragender erotischer Finesse interpretiert. Hinter Sprüchen wie "Die war feuchter als das Mittelmeer!" oder "Die ist vielleicht weggeflossen!" verbirgt sich in Wahrheit die Erkenntnis: "Was bin ich bloß für ein toller Hecht!" Daß dem unter Umständen nicht so ist, lernen Platzhirsche, wenn die feuchtfröhliche Phase erster Autokinofummeleien ins "Haben wir nicht noch ein Video auf Halde?" - Stadium (gähn) übergeht.  Erleichtert den zwischenmenschlichen Verkehr in jeder hinsicht und wird von Männern so freudig begrüßt wie der Presenter einer Show, der den ersten Preis für die erotischste Handhabung der Nacht übergibt. Eher rohe Zeitgenossen behelfen sich dagegen mit deiner Tube Gleitcreme. Es ist nicht zu empfehlen, die Präsenz der Vaginalpfütze mit einer Nasenklammer zu kommentieren, ohne Gefahr zu laufen, die Beischlafberechtigung zu verlieren, auch wenn die zahlreichen Witze über die Ausdünstugen diverser Meerestiere in diesem Zusammenhang durchaus nachvollziehbar sind. Vorsicht bei Cunnilingus: Hörbares Würgen verdirbt die Atmosphäre.