Einige Gedanken zum Thema "Staatsreligion" und deren Auswirkungen


Ach ja, da gibts noch einen hochinteressanten und vielversprechenden Ansatz eines Kollegen zum bayerischen Katholizismus und Haschverbot, der sicherlich noch wissenschaftlich zu verfeinern ist ;-)

"Die oberste Kultur in Bayern ist der Katholizismus - dreiviertel der weit über zehn Millionen Freistaatler betreiben ihn mehr oder weniger exzessiv. Das offizielle Symbol für diese Kultur ist das Kreuz mit dem festgenagelten, langhaarigen Jesus - in Hessen liebevoll "Lattenkarl" genannt. Dieses Symbol ist zu bundesweiter Berühmtheit gelangt, als sich eine zugroaste Familie an dem Kreuz in den Klassenzimmern ihrer Kinder störten, und das Bundesverfasssungsgericht in Karlsruhe ihrer Klage recht gab. Die obersten Richter waren auch der Meinung, daß die bayerische Landesregierung ihren kleinen Untertanen das Kreuz nicht unter die Nase zwingen darf. Die Meinung der obersten Regierung war den Bayern jedoch ziemlich egal - die Kreuze blieben hängen. Als Träger der spezifischen kulturellen Wertordnung in Bayern seien sie unerläßlich.

Aber das hat natürlich einen tieferen Grund. Ein netter bayerisches Promi gab vor einiger Zeit den entscheidenden Hinweis: Jesus sei ein Hippie gewesen, und so, wie er drauf war, wohl auch ein Kiffer. Aber die waren schon damals nicht gerne gesehen - und Jesus landete am Kreuz. Hier ist der pädagogische Schachzug der bayerischen Landesregierung und ihrer Vollstrecker -ihre Botschaft- zu erkennen: Bayernkinder, laßt brav eure Haare schneiden und raucht bloß keinen Hanf - sonst geht s euch wie dem Jesus.

Nun, einfach so an zwei gekreuzten Latten langhaarige Kiffer festhalten, das darf selbst die bayerische Landesregierung heute nicht mehr - sie sperrt halt ein, in speziellen Einrichtungen mit Gittern an den Fenstern, oder nimmt ihre Führerscheine weg, damit sie das land nicht verlassen können.

Kultur ist hingegen das Oktoberfest, das jedes Jahr in München stattfindet. Riesige Bierzelte laden zum kollektiven Drogenmißbrauch ein - wobei jedoch eine Art Prävention dahingehend betrieben wird, daß die Krüge, die "Maß", nie ganz voll sind und dafür ein Preis verlangt wird, wofür man woanders einen ganzen Kasten Bier bekäme"

("Jennie", in grow 5/96)