Hanf als Medizin


Quelle: Dr. Ferdinand Müller - "Das große Kräuterbuch"
Hans Georg Behr - "Von Hanf ist die Rede - Kultur und Politik einer Pflanze"
Informationsreihe Drogen #2 "Cannabis"


Um einmal die Argumentation der "Legalisierungsliga" unter den Hanfnutzern zu vefolgen, hab ich mich in meiner kleinen Büchersmammlung umgeschaut, und dort ein Buch aus dem Jahre 1937 (Drucklegung) gefunden. Es wird in diesem Buche fast ausschließlich über die medizinisch relevanten Aspekte verschiedener Kräuter berichtet, was zu einer Buchdicke von knapp 6,5 cm führte.

Doch zum Text des Eintrages in diesem Buch.
Ich lasse mal die Teile weg, die sich mit der Pflanze an sich und der Kultivierung beschäftigt und komme gleich zum medizinischen Abschnitt.

Anwendung:Es dürfte die Aufführung des Gebrauchs in der Heilkunde willkommen sein. Beim Gebrauch von Hanfsamen, sowie Bereitungen aus dem Kraut ist immerhin einige Vorsicht geboten, da er lähmende Wirkung hat (berauschend; der Verfasser der Page). Er findet innerlich als Tinktur Anwendung, die aus den ausgepreßten, eben ins Blühen gekommenen Spitzen der Hanfpflanzen, mit gleichen Teilen Weingeist gemischt, gewonnen wird, oder auch als Hanfsamenmilch, d.h. den in einem Mörser fein zerriebenen und nach und nach in 1/4 Liter Wasser versetzten Hanfsamen. Von der Tinktur werden täglich ein- oder zweimal 5-6 Tropfen genommen, von der Milch ungefähr 1/4 l in einem Tage nach und nach getrunken, und zwar bei schmerzendem Urinieren; es sind diese beiden Gaben radikal heilend; auch bei Brustkrämpfen erleichtern sie sehr. äußerlich wirkt die Tinktur, mit Wasser vermischt an die Augenlieder gebarcht, bei Augenschwäche, Augenentzündung, Star; bei Hornhautflecken, wenn diese mit der reinen Tinktur betupft werden. Bei schmerzenden Hoden hilft auflegen von frischen oder erweichten Hanfblättern; das erwärmte aufgelegte Abwerk zerteilt die Milch in den Brüsten säugender Frauen. Ein Brei von Hanfsamen, auf schmerzende Stellen gelegt, wirkt sehr erleichternd und schmerzstillend.

Innerlich genommen wirkt ein Ausguß der Blätter beinahe wie Opium, sie werden deshalb im Orient zur Bereitung eines berauschenden Getränkes verwendet (Bhang; Anm.d. Autors der Page); übrigens scheint der dortige Hanf berauschende und betäubende Eigenschaften in höherem Grade zu besitzen, als der bei uns gebaute.

Hanfsamen in Milch gesotten und getrunken vertreibt den Husten, macht den Urin und Harnabgang mild. Spannt die Brust beim Husten und schmerzt sie, und ist der Kranke heiser, fühlt Stiche in der Tiefe der Brust, die ihn verhindern abzuhusten, und hat er ein brennendes Gefühl in den Augen und der Haut, so ist folgender Trank dienlich: Hanfsamen gestoßen und Melonenkraut, von jedem 30g, koche man mit 3/4 Liter Wasser 1/4 Stunde lang, seihe es durch und versüße es mit 30g Zucker. Das ganze ist dann beliebig zu nehmen.

3 bis 4 Eßlöffel gestoßener Hanfsamen, in 1 Liter Milch gekocht und tagsüber getrunken, gilt als gutes Mittel gegen Gelbsucht. Harnverhaltung bei Männern infolge Entzündung der Harnorgane:Eine Hand voll Hansamen wird mit einem Holze leicht zerquetscht, mit 1/4 l Brunnen- oder Regenwasser gekocht, bis die Masse einen flüssigen Schleim bildet, in den das männliche Glied, solange der Schleim lauwarm ist, so tief wie möglich 10-15 Minuten lang gehalten wird. Dies wird alle 2 Stunden mehrmals wiederholt.

Gegen folgende Leiden ist die Tinktur, täglich 2-4 mal je 2-3 Tropfen genommen, wirksam: Bei Ermüdung nach starker körperlicher Anstrengung, Blutwallungen, Kongestionen nach dem Kopfblutsturz, Nasenbluten, Bruststechen beim Atmen, Sprechen, Bewegen, Lungenentzündung mit all ihren schlimmen Folgen, Herzentzündung, Nieren- und Blasenentzündung, Schwäche des Geschlechtsvermögens, Unfruchtbarkeit, anhaltende Stuhlverstopfungen (jeden Abend vorm Schlafengehen 2 Trofen zu nehmen). Bei all diesen Erscheinungen ist, um nicht zu Schaden zu kommen, die Anwendung der Homöopathie ratsam, in der Cannabis in allen Formen und verschiedenen Verdünnungen verwendet wird. In der Homöopathie wird als "Cannabis sativa" aus den frischen Stengelspitzen mit Blättern und Blüten sowohl der männlichen wie weiblichen Pflanze eine Essenz bereitet, die bei Blasen- und Nierenerkrankungen Anwendung findet.

Gegen Nierensteine vermischt man die Tinktur mit Hundrosenschwammtinktur und nimmt täglich mehrmals 2-4 Tropfen. Gegen starken Husten und rauhen Hals koche man 1 Löffel voll Hanfsamen in 1 bis 1 1/2 Liter Wasser 1/2 Stunde lang, gieße das Klare nach dem Abkühlen ab, versüße es mit Zucker und trinke den Tag über mehrmals davon. Gegen Hitze im Kopf und anderen Körperteilen, namentlich gegen hitziges Podagra,überschlage man das zerstoßene grüne Hanfkraut oder ein daraus gebranntes Wasser. Gegen Blasenkrankheiten dient Hanfmilch, die man aus dem Samen wie Mandelmilch bereitet. In Ermangelung der Tinktur, die übrigens am stärksten wirkt, trinkt man den Hanftee, der aus einer Abkochung der getrockneten Blätter und des Samens besteht, von dem man den Tag über 1-2 Täßchen nimmt. Hanfsamen gestoßen und auf Rotlauf gelegt, hebt diesen bald. Bei flüssigen Ohren spritze man häufig Hanfsamenmilch ein. Kneipp empfiehlt Hanfsamenmilch besondes bei Wassersucht.


Nun schauen wir uns doch mal an, was Peter Stafford in der Informationsreihe Drogen Teil 2 zu dem Thema aufführt.

Hanf wurde fast in der gesammten Menschheitsgeschichte als Heilmittel verwendet, so wurde er zumindeset in Indien und China verwendet um bei der Schmerzstillung, Fiebersenkung, Apetitlosigkeit und der Behandlung von Durchfall, Ruhr, Bronchitis, Migräne, Schlaflosigkeit und einer Vielfalt neurologischer Erkrankungen sichtbare Erfolge zu erzielen. Ungefähr ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde der Hanf auch in der westlichen Welt als Medizinalpflanze erkannt und genutzt. Nun die Liste von zwei französischen Ärzten, welche die Anwendungsgebiete des Hanf um diese Zeit aufzeigt:

  1. Gegen Funktionsstörungen psychischen Ursprungs: Melancholie, Delirium, Hysterie, schmerzhafte Verkrampfung der Gesichtsmuskulatur, Delirium tremens, Migräne, Neuralgie, Ischias, Schlaflosigkeit verbunden mit Delirium und Alpträumen, Neurasthenie.
  2. Gegen bestimmte Erkrankungfen des Urogenital - Traktes: Gonorrhöe, Prostataentzündung, Blasenentzündung, Menstruationsstörungen.
  3. Gegen Erkrankungen der Athemwege: in den Anwendungsformen von Zigrarretten, Dampfbädern und Inhalierungen zur Bekämpfung von chronischem Katarrh, das Emphysem, Asthma, Keuchhusten.
  4. Gegen schmerzhafte Magen / Darm - Erkrankungen: Krebs, Meagengeschwür, Appetitlosigkeit.
  5. Gegen gewisse Hautkrankheiten: Ausschlag, Herpesbläschen, chronisches Jucken.
  6. Gegen Infektionskrankheiten: Tetanus, Cholera, Pest, Rotlauf, Nesselfieber.
Doch kommen wir in die heutige Zeit zurück, in der sich die pharmazeutische Industrie das Recht auf alleinige Behandlung und Medikamention des erkrankten Menschen erkämpft hat. Dieses Recht nimmt sie mit einer gewissen Arroganz für sich in Anspruch, da sie der festen Überzeugung ist, nur die chemische Industrie sei in der Lage so reine und hilfreiche Stoffe wie Arzneimittel herzustellen. Bei dieser ganzen Beweihräucherung sind natürlich solche Pflanzen wie der Hanf recht hinderlich, die ohne das Zutun von Menschen, die damit Profit machen, eine Vielzahl von Krankheitsbildern in ihrer Erscheinung abmildern können.
Spektakulär war in dieser Hinsicht ein Fall aus Washington D.C., in dem ein gewisser Robert Randell als erste Person zum Zwecke medizinischer Behandlung vom Haschischverbot ausgenommen wurde. Robert Randell litt unter einem Glaukom, welches er mit der den Tränenfluß aufhaltenden und den Augeninnendruck senkenden Medizin Haschisch zu bekämpfen gedachte. Diese Entscheidung für den Hanf kam jedoch nicht von ungefähr, es war vielmehr die Erkenntnis darüber, daß es keine andere Medizin gab, die ihm helfen konnte, welche die Richter zu dieser Entscheidung bewog. Eine weitere wesentliche Eigenschaft des THC ist die Entlastung von Übelkeit und Brechreiz, die sich z.B. bei der Chemotherapie von Krebspatienten einstellen. THC hilft hier besser als jedes andere am Markt befindliche Medikament. Die Effekte des THC bei dieser Gruppe von Personen sind jedoch noch weiter gefächert; so sind Krebspatienten nach einer Therapie mit THC emotional stabiler, entspannter, weniger depressiv und frustriert, desweiteren ist eine Gewichtszunahme zu verzeichnen, was bei Krebspatienten sehr ungewöhnlich ist. Durch diese Eigenschaften als Chemotherapiebegleitung haben Patienten, welche eine Chemotherapie bekommen weniger Angst vor den Begleiterscheinungen. THC hat desweiteren noch eine antibakterielle Wirkung, die auch dort noch ansetzt, wo herkömmliche Antibiotika versagen.


Zum Schluß des Themas wird es vielleicht Zeit etwas zu den Forschungen um das THC zu sagen. Im folgenden ist ein Text wiedergegeben, den ich im FIDO - Netz fand, und der eine Textstelle aus dem Buch "Von Hanf ist die Rede - Kultur und Politik einer Pflanze" von Hans Georg Behr, FFM 1995, Zweitausendeins-Verlag, S 294ff zitiert.

Zitat beginn:
Für alle, die nun Bahnhöfe böhmischer Dörfer verstehen: Auf einmal war der Wirkstoff des Hanfes kein Gift mehr, das mit Urgewalt über den Körper herfällt, sondern ein sehr üblicher aber sehr genau passender Schlüssel für viele Tore unseres Gehirns. Marcia Barinaga vermerkte in *Science* (258, 18.12.1992) etwas süffisant: "Natürlich haben diese Rezeptoren sich nicht über Jahrmillionen entwickelt, um herumzuhängen, bis jemand high werden wollte. Aber was ist dann ihre normale Rolle? Und welche Moleküle binden sich an sie während normaler Gehirnfunktionen?" Da war die Antwort aber auch schon gefunden, und sie heißt Anandamid.

William Devane hatte nach seinen ersten erfolggekrönten Forschungen ein Postdoktorat bei Raphael Mechoulam an der Hebräischen Universität Jerusalem angetreten, wild entschlossen, das körpereigene THC zu entdecken. Die Voraussetzungen waren gegeben: Er mußte nach einer Substanz suchen, die den Rezeptor so präzise besetzt, daß kein Hanfstoff mehr daran drängeln konnte. Der Natur des THC entsprechend, suchte er unter den fettlöslichen Substanzen des Gehirns. Pikanterweise (für eine hebräische Universität) arbeitete er mit Schweinen, und dort wurde er nach zwei Jahren und sehr vielen Versuchen fündig. Später wurde die Substanz auch in anderen Organismen aufgespürt, Menschen inbegriffen, und es zeigte sich, daß sie gar nicht so rar war, wie sie sich bei der Suche nach ihr zu geben schien: Während THC eine komplexe Ringstruktur aufweist, hat das "körpereigene Haschisch" eine viel einfachere Molekularstruktur und erwies sich als ein Derivat der Arachidonsäure, einer in fast allen Zellmembranen vorhandenen Fettsäure von hoher Reproduktivität. Was die bewirkt, versuchten Devane und Mechoulam mit einem passenden Namen zu beschreiben. Im Sanskrit wurden sie fündig: Ananda ist die Glückseligkeit, und Anandamid ist der Stoff dazu. Devane wurde für diese Entdeckung vom klassischen Wissenschafterschicksal ereilt:

Für eine Professur in New York reichte Anandamid allemal, und nun steht sein Name wie auch der von Mechoulam häufiger am Ende von Arbeiten, als verantwortlicher Leiter eines Projektes.

Von einer bahnbrechenden Entdeckung spricht man, wenn sich viele Wissenschafter ankoppeln, als sei sie die schnellste Lokomotive zum Zielbahnhof Ruhm. Nun macht es Anandamid der Wissenschaft auch leicht, allerdings erst, seit es aufgespürt wurde. Es ist verschwenderisch vorhanden wie auch seine Rezeptoren, und es bewirkt, was sein Name sagt. Wann immer wir uns angenehm fühlen, rollt sich unser Körper einen Joint, manchmal bis zur kichernden Überdosis. Glückseligkeit läßt Schmerzen vergessen aber auch Kleinigkeiten, setzt uns eine rosa Rrille auf, lindert aber auch den Grünen Star, macht gesellig und friedfertig, aber auch meditativ und müde.

Natürlich wurde und wird noch viel weiter geforscht, und so können mittlerweile auch Fragen zuverlässig beantwortet werden, die bei Hanf immer nur "vermutlich" blieben. Beispielsweise, ob zuviel GIück von außen (=THC) die innere Glückseligkeit irgendwie beeinträchtigt oder gar abnehmen läßt. Eine wichtige Frage für alle, die an irgendeine Haschischabhängigkeit glauben, doch fünf bisherige Studien antworten eindeutig: Nein. Und die Keup'sche Nachdepression? Findet auch nicht statt. Der körpereigene Glückseligkeitsstoff scheint so tückisch, daß er den körperfremden höchstens als Verstärkung zur Kenntnis nimmt, aber sonst ignoriert. Und was ist mit dem Flashback, dem gefürchteten? Auch der hat mit der ziemlichen Sicherheit, wie sie drei ausführliche Untersuchungen gewähren, nichts mit Hanf zu tun, sondern nur mit Anandamid, unabhängig ob da je gekifft wurde oder nicht. Aber woher hätte man das auch vor dem ersten Joint wissen sollen. (Übrigens beschrieb auch Albert Hofmann einen kindlichen Anandamid-Flash, der ihm erst unter LSD erklärlich wurde.) Und was ist mit der Cannabis-Schizophrenie? Leider nichts, denn Interfunktionen von Anandamid und Dopamin ließen sich in acht Untersuchungen nicht nachweisen, mit Serotonin übrigens auch nicht, obwohl gerade das oft vermutet wurde. Die Glückseligkeit scheint da doch ein ziemlich eigensinniger Botenstoff zu sein. Negative Langzeitfolgen bei übermäßigem Glückseligkeitsausstoß, womöglich verbunden mit zusätzlichem Hanf? Fehlanzeige, zumindest nach drei Jahren und in sechs Projekten. Aber auch über Hanf gab es ja schon viele ähnliche Studien, wenn auch unter anderen Grundannahmen, nämlich der einer körperfremden Substanz. Anandamid scheint noch gehässiger zu sein als Hanf, nämlich böswillig entschlossen, alle Propheten des Wahnsinns und auch seine Hänflinge Lügen zu strafen. Nicht einmal die dem Hanf nachgesagten Schädigungen des Immunsystems will das "körpereigene Haschisch" gestatten. Im Gegenteil: Es ist zu seiner Stimulierung unentbehrlich.
Zitat Ende...


Zum Verteiler für diese Droge Das waren dann einige Fakten zur mdizinischen Nutzung des Hanf,
und zum THC - Forschungsstand ich hoffe es hat was gebracht.
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ENDE



harko