Quelle: Beipackzettel zu Morphium Hydrochloricum
Wie alle Dokumente dieser Veröffentlichung soll auch dieses und die zugehörigen Dokumente nicht zu einer strafbaren Handlung oder einer mißbräuchlichen Verwendung irgendwelcher Substanzen aufrufen oder verleiten. Es soll lediglich Informationen bereitstellen, die gewöhnlicherweise in solcher Zusammenstellung nur schwer zugänglich sind. Die Nutzung dieser Informationen liegt außerhalb des Einflußbereiches des Autors der Webseiten.
Als erstes möchte ich hier einen Beipackzettel (Informationsblatt
zu einem Medikament) zitieren, welches dem Medikament "Morphium
hydrochloricum" beigefügt war (VEB Arzneimittelwerk Dresden).
Wirkungsweise: Morphin ist das analgetisch am stärksten
wirksame Opiumalkaloid. Es greift an der Großhirnrinde an und hebt
das Schmerzempfinden auf. Morphin besitzt auch erregende Effekte auf das
ZNS. Periphere Wirkungen äußern sich besonders in einer
Tonussteigerung der glatten Muskulatur. Alle Haupt- und Nebenwirkungen können
durch Morphinantagonisten aufgehoben werden.
Indikation:
Schmerzen schwerer und schwerster Art
Kontraindikation:
Neugeborene, Kleinkinder Säuglinge; Patienten mit Kyphoscoliose,
Emphysem, Emphysembronchitis, Asthma bronchiale, Corpulmonale; Gefahr
eines Leberkomas, Myxödem, Addisonismus.
Dosierung: 0,01g
bis 0,02g Subkutan bis zu drei mal Täglich.
Nebenwirkungen:
Bereits in therapeutischen Dosen können Nebenwirkungen auftreten:
Verminderung der Athmung, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Spasmen
der Sphinkteren. Chronische Behandlung führt zur Gewöhnung und
Sucht. ACHTUNG! FAHRUNTAUGLICHKEIT!
Wie man daran erkennt, ist Morphin ein sehr zweischneidiges Schwert. Es reduziert zwar sehr effektiv Schmerzen, schlägt jedoch in Form einer physischen Abhängigkeit zurück.
Beispiele für diese Sucht durch eine Schmerzbehandlung sind nach
den beiden Weltkriegen fast in ganz Europa zu finden gewesen. Schwerste
Verletzungen wie Gliedmaßenverlust und Granatsplitter wurden mit
Morphin ruhiggestellt, so daß operiert werden konnte. Die
nachfolgenden Entzündungen und Phantomschmerzen wurden auf die selbe
Weise "behandelt". Nach einer solchen Behandlung war der Patient
fast immer Morphiumsüchtig, was sich in einem gesteigerten
Opiumverbrauch nach den Weltkriegen niederschlug.
Ein Prominientes
Beispiel einer Opiumsucht nach und während einer Schmerzstillung
durch Opium liefert Dr. Freud, dessen Assistent Fleischl eine
Dauemenamputation über sich ergehen lassen mußte, und fortan über
starke Phantomschmerzen klagte. Diese Schmerzen wurden mit Morphium
behandelt, was zu einer Sucht führte, die Freud nach dessen
Entdeckung durch Kokain auszutreiben versuchte, und dabei scheiterte.
Fleischl war zum Schluß seines Lebens, also nach zwei Jahren, sowohl
Kokain als auch Morphiumahängig.
| Jede Droge hat zwei Seiten, bei Morphium sieht man
dies sehr gut, denn selbst in der Hand eines Mediziners kann sich die Wirkung des Morphium in ihr Gegenteil verkehren. |