Geschichte der Nikotinverwendung


Quelle: Dr. Ferdinand Müller: "Das große Kräuterbuch"
Prof.Dr. Louis Lewin: "Phantastica"


Beginnen wir mit der Entdeckung des Tabakes als Genußmittel.

Schon der erste Reisende, welcher in der neuen Welt, der Heimat des Tabakrauchens, mit diesem Brauch in Berührung kam, fand Gefallen an diesem Laster und brachte es nach Portugal. Es war dies Columbus nebst seiner Gefährten, welche den Tabakgebrauch auf Cuba lernten. Joh. Nicot, ein französicher Gesandter in Lissabon, brachte den Tabak sodann 1560 nach Frankreich mit und Walter Raleigh brachte ihn aus dem damaligen Virginien nach England, von diesen Ländern aus verbreitete er sich bis heute rasend schnell, so kann man behaupten daß heute kein Land mehr existiert, wo der Tabakgenuß nicht als gesellschaftliche Tatsache beachtung findet (ob nun im willkommenen Sinne wie in Deutschland, wo allein die Tabaksteuer Milliardenbeträge in die Staatskasse bringt, oder als verpöhntes Laster wie in Kanada sei mal dahingestellt).


Doch werden wir genauer:

Am 12. Oktober 1492 ankerte Columbus an der Insel Guanahani, einer der Bahamaeilande. Am 29. Oktober war er dann vor Kuba und am 2. November sandte er zwei Spanier zum Auskundschaften, die am 6. November zurückkehrten. Sie berichteten unter anderem, daß sie vielen Frauen und Männern begegneten, die alle eine glühende Kohle in der Hand trugen, die von wohlriechenden Kräutern unterhalten wurde. Es waren dies trockene Kräuter, in ein gleichfalls trockenes, breites Blatt eingewickelt. Am einen Ende waren sie angezündet, am anderen Ende sogen die Leute und tranken gewissermaßen durch Einathmung den Rauch. Sie wurden dadurch eingeschläfert und berauscht, sind aber offenbar dadurch vor Müdigkeit geschützt. Die Leute nennen diese Teile "tabacos".

Azteken und Tolteken rauchten den Tabak aus schönen verzeirten oder auch aus Tonpfeiffen, hatten das Rauchen also stark kultiviert. Später fand man, daß der Genuß des Tabak überall auf dem Amerikanischen Kontinent verbreitet war. Das sich das Tabakrauchen von da an rasend schnell über die ganze Welt verbreitete kann man heute sehr gut erkennen, doch auch das Tabakschnupfen hat und hatte seine Anhänger, es wurde sogar zeitweise lieber betrieben als das Rauchen:

Diese Leidenschaft des Schnupfens (und Kauens) fand ihren Ausdruck in der Vielfalt der Formen, welche man der Tabtiere, dem Aufbewahrungsgefäß für den Tabak, angedeien ließ. Sie wuchs gar zu einem Kultobjekt heran und es trieb schon arge Blüten, was für diesen Gegenstand für ein Geld ausgegeben wurde. Der Englische Staatsmann Petersham z.B. besaß für jeden Tag des Jahres eine eigene Tabakdose, und konnte sehr ungehalten werden, wenn ihm sein Kammerdiener die falsche brachte. Das englische Staatsbudget sah im Jahre 1822 nicht weniger als 22.500 Pfund Sterling für Dosen vor, welche das Königshaus den Nasen fremder Minister zu schenken bereit war. Napoleon, welcher ein leidenschaftlicher Schnupfer war, verstreute viel Tabak auf seine Kleider. Wenn er in einer Sitzung des Staatsrates unruhig wurde und den Blick eines der hohen Würdenträger auf sich gerichtet sah, so streckte er den Arm und machte ihm eine stumme Bewegung mit Daumen und Zeigefinger, worauf der Betreffende sich beeilte, ihm eine Tabakdose zu reichen. Der Kaiser spielte eine Weile mit derselben, wobei er den Inhalt gleichmäßig über dem Tische verstreute, und steckte sie gedankenverloren ein. So verschwanden bisweilen mehrere derselben in seiner Tasche. Nach der Sitzung fanden dann er oder Josephine diese Dosen und stellten sie ihren Eigentümern wieder zu. Nicht selten erfuhr eine Dose dabei jedoch eine merkwürdige Wandlung, so konnte es vorkommen, daß man statt einer hölzernen plötzlich eine goldene mit Diamanten verzierte zurückerhielt. Naja, trotzdem schafften sich die hohen Herren alsbald, um nicht vielleicht einmal Andenken zu verlieren, Dosen aus minerwertigem Material wie Karton oder Holz an.


Doch kommen wir zur Geschichte zurück: Die wohl ersten Erzeuger des Tabaks in Deutschland dürften Bauern in Suhl gewesen sein, die schon um 1559 angebaut haben, dies aber in größerem Umfange erst zur Zeit des dreißigjährigen Krieges tataen. Schnell bekam der Tabak eine sehr wirtschaftliche Bedeutung, da es sich eben um ein Genußmittel handelte. Doch es war nicht immer sehr einfach, ein Genussmittel zu konsummieren, wie wir heute ja am Beispiel Hanf sehen, auch wenn Hanf nicht mal ansatzweise das Gefährdungspotential (gesundheitlich und Volkswirtschaftlich) wie Tabak hat. Das erste Tabakverbot sprach Papst Urban der VIII. aus, da er es nicht leiden konnte, daß die Gläubigen noch nicht mal Schahm dabei empfanden, wenn sie ihrem Laster gar unter der Messe und bei Spendung des Abendmahles ausübten. Er strafte alle diejenigen, welche es doch taten mit dem Bann. Papst Innocenz der X. verbot das Tabakschnupfen in der Peterskirche, da diese durch das Material verunreinigt wurde. Naja, es nützte alles wenig, 1725 mußte der Papst vor dem Tabak kapitulieren, Benedikt XIII. hob alle vorher gemachten Erlasse auf, da er für die Unterdrückung der trockenen Trunkenheit nicht mächtig genug war, außerdem schnupfte er selbst gern. Diesen Schritt machte er auch, damit den Gläubigen nicht mehr das unwürdige Verhalten von Würdenträgern angeboten werde, die alle Augenblicke aus der Kirche eilen um sich in einem verborgenen Kämmerchen ein paar Züge von der Zigarre zu genehmigen. Schauen wir uns nun Deutschland und seinen Hang zu Verboten an, so fällt das erste öffentliche Verbot für Tabak aus dem Jahre 1691 auf, welches für den Tabakgebrauch die Todesstrafe vorsah. In Kuhrsachsen wurde das Rauchen auf den Straßen und den Postwagen verboten, durch ein Edikt von 1723 sogar in Berlin. In Sachsen Gotha verfuhr man im 18ten Jahhundert auf gutdeutsche Art, so wurde man angehalten denjenigen, der sich dem Tabakgenusse in größerem Umfange hingab einfach anzuzeigen (zu denunzieren), woraufhin derjenige dann eine empfindliche Strafe erhielt. Desweiteren wurde verboten Personen, welche Tabak rauchten Geld zu leihen. Verlieh man doch was, so zog dies ebenso hohe Strafen nach sich. Auch das Weitergeben von Tabak zog heftige Strafen nach sich. In Siebenbürgen und Ungarn war man da schon restriktiver, das Rauchen von Tabak wurde um 1689 mit 300 Gulden, und im ersteren Lande der Anbau mit Vermögenskonfikation bestraft (so wie derzeit in den USA ein verlohrener Prozess wegen Drogenbesitzes). In der Schweiz, besonders in Bern, wurde Tabakrauchen noch 1660 unter die schweren Verbrechen gestellt und noch im Jahre 1849 untersagte es ein Gesetz im Kanton Wallis allen Menschen unter 22 Jahren bei Geld, im Wiederholungsfalle bei Freiheitsstrafe. Um 1900 sollte diese Bestimmung dringlichst erneuert werden (also noch mal deutlich gemacht werden, daß sie Gültigkeit hat), doch man sah die Undurchführbarkeit ein, weil das Rauchen mittlerweile allgemein geworden war. In England schrieb Jakob I. zwar noch 1603 eine Hetzschrift gegen den Tabak (ähnlich dem Anslinger - Report), legte dann jedoch sehr bald Steuern auf den Tabak und erwies sich so als guter Landesvater. In Schweden verbot das Tabakrauchen Gustav III., der sich zu dem Bekenntnis hinreißen ließ, daß er nichts so sehr hasse wie Tabakrauchen und die deutsche Sprache. In der Türkei war man nun noch etwas merkwürdiger. Um 1605 wurde der Tabakgebrauch bekannt, 1642 schnupfte man zuerst. Die Geistlichkeit wetterte dagegen, weil dieses Verhalten gegen die Choranbestimmungen verstoße, dem Tabaktäter wurde die Nase duchbohrt, durch das Loch ein Pfeiffenrohr gesteckt und er überdies zu einem Schandritt auf einem Esel veranlaßt. Murad (Amurad) IV. sette um 1620 dann auf Tabakrauchen die sofort vollziehbare Todesstrafe in irgendeiner der gottgefälligen alten Gestalten. Mohammed IV. gestattete es wieder. In Persien strafte man in alter Zeit das Tabakrauchen mit dem Tode und in Rußland bestimmte Zar Michael Fedorowitsch die Todesstrafe demjenigen seiner lieben Untertanen, der Tabak bei sich hatte, damit handelte oder ihn rauchte. Sein Besitz wurde verkauft und der Erlös bei ihro Majestät Kasse abgeliefert. Die Prügelstrafe konnte dazukommen und die so sinnige Sitte des Nasenabschneidens, die in Persien und Abessinien gleichfalls geübt wurde. Der Zar Alexei Michailowitsch ließ denjenigen, bei dem Tabak gefunden wurde solange foltern, bis derjenige die Bezugsquelle angab.


Nunja, da scheinbar alle Verstümmelungen, Morde und Vermögensumschichtungen nichts halfen und das Geld auch langsam knapp wurde, behalfen sich alle Staaten bald mit der Nutzung des Tabak als Einnahmequelle. Humbold berichtet von einem besonders krassen Fall, in dem in Venezuela die Pacht eingeführt wurde, soll heißen, daß es den Bauern erlaubt wurde Tabak zu bauen, doch dieser sämmtlichst an den Staat zu einem festgesetzten Preise, welcher freilich beschämend gering ist, abzuliefern sei. Um dies durchzusetzen wurde der Anbau dann auch auf eine sehr geringe Fläche beschränkt und von Staatsdiener in Uniform und Bewaffnung überwacht. Wächter durchzogen auch das ganze Land und zerstörten jeden Tabakbau außerhalb dieser Gebiete. Sie verklagten jeden Indio, welcher sich wagte eine selbstgepflanzte Zigarre anzustecken, die nicht vorher durch Staates Hände gegangen war. (Erinnert irgendwie an heutige Verhältnisse, nur daß man auch privat bauen darf, die Steuer bleibt). Ähnlich, doch eher auf maximalgewinn bedacht war die Reaktion anderer Staaten, wie England, welches im Jahre 1625 die kolonialen Pflanzer zwang den Tabak zu Zwangspreisen an die Regierung zu verkaufen. Diesem Beispiel folgten dann 1664 Portugal, 1670 Österreich, 1674 Frankreich usw. Rußland machte das, was es schon immer machte, und auch später immer machen würde, es verkaufte einfach etwas, hier war es die Erlaubnis zur Tabakeinfuhr, welche an die Engländer für 15.000 Pfund Sterling ging.


Zum Verteiler für diese Droge Tja, Tabak, gehaßt, verpöhnt und doch geliebt -- nicht zuletzt wegen seines riesigen Finanzielen Potentials. Zur nächsten Infoseite über diese Droge

ENDE

harko