Psilocybin / Psilocin medizinisch betrachtet


Quelle: Ronald Rippchen: "Zauberpilze"


Wenn die Schlange den Aesculabstab ankotzt

Wie alle Dokumente dieser Veröffentlichung soll auch dieses und die zugehörigen Dokumente nicht zu einer strafbaren Handlung oder einer mißbräuchlichen Verwendung irgendwelcher Substanzen aufrufen oder verleiten. Es soll lediglich Informationen bereitstellen, die gewöhnlicherweise in solcher Zusammenstellung nur schwer zugänglich sind. Die Nutzung dieser Informationen liegt außerhalb des Einflußbereiches des Autors der Webseiten.


Zuerst einmal etwas zur Giftigkeit von Psilocybin.

Psilocybin ist eine recht verträgliche Substanz, das heißt ihre Toxizität ist sehr gering, wenn man den Abstand von der wirsamen Dosis zur lethalen Dosis (LD50=ca. 50% der Versuchssubjekte sterben) betrachtet. Die wirksame Dosis liegt bei ca. 3 mg für einen erwachsenen Menschen, eine mittlere Dosis bei ca. 10 mg und eine tödliche Überdosis bei ca. 6 bis 7 g. Somit ist die LD50 ca. 2000 mal höher als eine spürbare, und ca. 600 bis 700 mal höher als eine mittlere Dosis. Da potente Pilze einen Psilocybinanteil von bis zu 1% in der Trockenmasse aufweisen können, ist eine mittlere Dosis durch 1 bis 5 Gramm Trockenmasse (vollständig ohne Wasser), also 3 bis 8 g Trockenpilze (enthalten noch ca. 20% Wasser) erreichbar. Dies entspricht einer Masse von ca. 10 bis 50 Gramm Frischpilzen, da Pilze zu ca. 90% aus Wasser bestehen. Um eine tödliche Überdosis zu verzehren bräuchte man 7 kg (bei 1% Psilocybingehalt) bis 35 kg (bei 0,5% Psilocybingehalt) Frischpilze. Zur Erreichbarkeit einer solchen Dosis kann man sich seine eigenen Gedanken machen.
Wenn in obigem Abschnitt von Psilocybin die Rede war, so ist das Gemisch aus Psilocybin und Psilocin gemeint, da sich beide Substanzen nur durch ein Phosphorsäuremolekül unterscheiden, welches als einzige Wirkung eine Stabilitätssteigerung gegenüber Sauerstoff hat.

Psilocybin und LSD sind sich auch in ihrer Giftigkeit sehr ähnlich, denn auch bei LSD sind erst 500 bis 600 fache Überdosen tödlich, wobei jedoch angemerkt werden muß, daß LSD im Mycro- und Psilocybin im Milligrammbereich dosiert werden. Rein vom Gewicht her ist LSD also leichter überzudosieren, es sollte jedoch ein finanzielles Problem darstellen soviel LSD zusammenzubekommen.

Körperliche Effekte treten bei Psilocybineinnahme nicht auf. Die Wirkung ist eben sehr ähnlich der des LSD, jedoch ist die Wirkungsdauer etwas geringer. LSD wirkt ca. 8 bis 15 Stunden, Psilocybin ca. 6 bis 8 Stunden. Die eigentlichen Wirkungen des Psilocybin liegt auf der Änderung des Wahrnemungsvermögens, also Intensivierung der Farben, Halluzinatorische Erfahrungen auf allen sensorischen Gebieten und subjektives Gefühl des Verstehens allumfassender Sachverhalte.


Psilocybin und Psilocin bilden eine Toleranz aus, welche dafür sorgt, daß in kurz aufeinanderfolgenden Experimenten eine massive Dosissteigerung nötig ist um den selben Effekt wie beim vorhergehenden Experiment zu erhalten. Diese Tolleranz ist jedoch nicht auf Psliocybin/Psilocin beschränkt, sondern wirkt auch auf andere Substanzen. Diese Crosstolleranz ist besonders ausgeprägt zum LSD, jedoch auch THC und Meskalin, denen völlig verschiedene Wirkprinzipien zugrunde liegen, die auch einer ganz anderen Stoffgruppe angehören, sind von dieser Crosstolleranz betroffen. In Regelfal gilt, daß bei einem Experiment an zwei aufeinanderfolgenden Tagen am zweiten Tag schon fast die doppelte Menge Psilocybin wie am vorangegangenen Tag benötigt wird, um vergleichbare Effekte zu erzielen. Diese Tolleranzbildung ist es auch, die einen fortgesetzten Gebrauch von Psilocybin unmöglich macht. Es bringt einfach nichts mehr. Dadurch ist allerdings auch eine Sucht nach Psilocybin nicht möglich, und auch noch nie aufgetreten.


Um die Verwendung von Psilocybin/Psilocin in der Schulmedizin zu verdeutlichen sei hier Dr. Albert Hofmann als Quelle gennannt, der in seinen Labors bei Sandoz die wirksame Substanz der Zauberpilze isolierte und später synthetisierte. Er schreibt: "Nachdem die wirksamen Prinzipien in reiner Form zur Verfügung standen, konnten ihre Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin geprüft werden. Sie erwiesen sich besonders nützlich als medikamentöse Hilfsmittel in der Psychoanalyse und Psychotherapie." Oder mit anderen Worten, Hofmann setzte das Psilocybin an die Stelle des LSD. Dies sollte auch die einzige Verwendung der Substanz in der westlichen Schulmedizin bleiben, was jedoch nicht auf den schamanistischen Gebrauch zutrifft.
In Mexiko, und wahrscheinlich auch anderen Teilen der Erde wurde Psilocybin in Form von Pilzen als Geschenk der Götter verehrt (was sich auch in seinem mexikanischen Namen "Fleisch der Götter" wiedersiegelt. Die Pilze wurden hier, ebenso wie in der heutigen Medizin die reine Substanz, als Mittel zur Austreibung böser Geister (Psychotherapie) und als Hilfsmittel bei sakralen Ritualen genutzt. Auch die Nutzung der Pilze für seherische Zwecke ist bekannt und wird selbst heute noch genutzt um z.B. etwas über Verwandt in der Fremde, den Verbleib von Diebesgut, oder andere nicht herkömmlich beantwortbare Fragen zu erfahren.
Doch noch ein dritter Aspekt der Nutzung von Psilocybin soll genannt werden. Es handelt sich um die Resozialisierung inhaftierter Personen. Zu diesem Thema, welches wie zu erwarten ein psychologisches ist, wurde 1961 eine Studie im Gefängnis von Concord, Massechusetts, USA durchgeführt. Man setzte eine Reihe von Häftlingen nach Persönlichkeitstests unter Leitung eines Psychologen auf Psilocybin und ließ sie ihre Erfahrungen machen, sie sollten sich unterhalten und mit dem Psychologen ins Gespräch kommen. Jeweils nach einer Sitzung wurden weitere Persönlichkeitstests durchgeführt, und es stellte sich heraus, daß die Häftlinge verantwortungsbewußter, nachdenklicher und weniger agressiv wurden. Viele der Gefangenen bekamen Bewährung (in diesem Falle waren es 32), von denen statistisch gesehen 64% hätten zurückkehren müssen, weil sie wieder rechtsbrüchig geworden waren. Dies geschah nicht, es kamen nur etwa 30% zurück, also knapp die Hälfte, von denen die meißten nur wegen formaler Verstöße wieder im Knast landete (hatten sich vom Bewehrungshelfer beim Biertrinken erwischen lassen oder ähnliches). Dies zeigte überdeutlich, daß mit dieser Droge eine weitgehende Persönlichkeitsformung möglich war. Als der leitende Psychologe (Tim Leary) seine Ergebnisse dem Gefängnisdirektor vortrug unterbrach der ihn und zeigte ihm Entwürfe eines neu zu bauenden Gefängnistraktes. Man war an einer wirkungsvollen Resozialisierung nicht interessiert, somit blieben auch weitergehende Forschungen auf diesem Gebiet aus.


Eine etwas neuere Verwendung der Pilze resultiert aus der Zugehörigkeit ihrer Inhaltsstoffe zu den Tryptanen. Eines der sehr unangenehmen Krankheitsbilder in der heutigen Zivilisation ist das der Migräne. Hier ist vor allem das des Cluster Kopfschmerzes zu nennen.
Vor einiger Zeit nun fanden verzweifelte Patienten mit diesen Krankheitsbildern heraus, dass sie durch Einnahme einer geringen nicht psychotropen Menge Psilocybin ihren Schmerz komplett oder zumindest weit genug dämpfen konnten. Die Gef_verengenden Eigenschaften und die Besetzung bestimmter Serotoninrezeptoren durch das Psilocin (Psilocybin wird im Körper zu Psilocin metabolisiert) scheint die Symptome von Migäneartigen Kopfschmerzen beseitigen zu können.

Da die Patente für Psilocybin und Psilocin vor einigen Jahren abgelaufen sind, bleibt nun zu hoffen, dass diese Stofe auch in der Migränemedizin wieder einzug erhalten. Die derzeit verfügbaren Medikamente (z.B. Summatryptan) jedenfalls wirken zu kurz und scheinbar auch zu selektiv.


Zum Verteiler für diese Droge Manche Nutzer sagen, die wahre Psilocybinerfahrung kann man nur mit einem
Pilz haben, nie mit einer synthetisch hergestellten Substanz.
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ENDE



harko