Pilzgott der Inka

Zur Geschichte des Psilocybins


Quelle: Informationsreihe Dorgen: "Psilocybin"


Wie alle Dokumente dieser Veröffentlichung soll auch dieses und die zugehörigen Dokumente nicht zu einer strafbaren Handlung oder einer mißbräuchlichen Verwendung irgendwelcher Substanzen aufrufen oder verleiten. Es soll lediglich Informationen bereitstellen, die gewöhnlicherweise in solcher Zusammenstellung nur schwer zugänglich sind. Die Nutzung dieser Informationen liegt außerhalb des Einflußbereiches des Autors der Webseiten.


Zeichnung eines PilzkultesMan nimmt an, daß Pilze schon seit jahrtausenden als Rauschvermittler bei verschiedensten Anlässen gebraucht wurden. In Mexiko heißen Pilze der Gattung Stropharia cubensis "Fleisch der Götter", da man glaubt, daß in ihnen ein Gott lebt. Im Schamanismus haben Zauberpilze noch heute dort ihren festen Platz. Doch die Geschichte der Pilze geht noch weiter zurück. Vor einigen Jahren wurde in einem Gletscher die 5000 Jahre alte Mumie eines Mannes gefunden, den man nach seinem Fundort Ötztal den Ötzie nannte. Dieser Mann hatte bei seinen Sachen auch eine Schnur mit getrockneten Pilzen (Birkenporlinge), die sich als psychoaktiv herausstellten. Der untersuchende Wissenschaftler Reinhold Pöder stellte dazu fest, daß ein schamanistischer Gebrauch solcher Pilze denkbar ist, und diese Pilze eben diesem Zwecke dienten.

Alles in allem jedenfalls ist festzustellen, daß psychotrope Pilze schon seit einiger Zeit, vielleicht sogar schon vor der "Menschwerdung" genutzt wurden. Es ist denkbar, daß diese Pilze die Evolution und die Ausbildung der menschlichen Intelligenz wesentlich beschleunigten. Einen dementsprechenden Versuch schlug ein Wissenschaftler namens Dr. Walpur einem Primatenforschungszentrum vor. Er wollte nachweisen, daß sich die mentalen Fähigkeiten von Primaten unter wiederholter Gabe von Psilocybin extrem verstärken können. Er wollte somit ein neues Licht auf die menschliche Entwicklung werfen, welches auch die regional unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Evolution beleuchten sollte.


Kommen wir zur Beziehung von Religion und Pilz, einer Beziehung, wie sie enger nicht sein kann. Hier soll nicht die christliche Religion bestprochen werden, die eine Entstehung infolge des Nutzens von Rauschmitteln abstreitet, sondern um Religionen, die weitaus älter sind als das Christentum. In Guatemala wurden Steinskulpturen gefunden, welche Pilzform haben und fast sämtlich ein Bildnis eines Gottes auf dem Stiel besitzen. Diese Steinskulpturen haben ein Alter um 3000 Jahre, Pilzskulpturen der Majasie können somit der frühen Majakultur zugeordnet werden. Es handelt sich dabei um Zeugnisse eines blühenden Pilzkultes, der zum Teil noch heute ausgeübt wird. Dies ist im Wesentlichen also ein Zeugnis einer alten und tiefgehenden Naturreligion, welche sich auf die extremen Trance- und Rauschzustände unter der Einwirkung von psychoaktiven Pilzen stützt. Auch in den keltischen Regionen Groß Britanniens (Wales, Cornwall) ist ein recht starker Pilzkult bekannt, der sich auf das dortige Druidentum bezieht. Um die Sache ein wenig abzukürzen kann gesagt werden, daß jede Kultur und Religion einen Bezug zu psychotropen Pilzen hat. In unserer Kultur kann man dies an der exzessiven Darstellung des Fliegenpilzes (ebenfalls ein psychoaktiver Pilz, jedoch einer der Amanita - Art) als Glücksbringer sehen.
Inwieweit die Entstehung des Christentum von Rauschmitteln abhängig war ist unbekannt, doch kann angenommen werden, daß die Darstellung, wie sie in der Bibel heute zu finden ist, nicht ganz stimmt, wurde dieses Buch doch über Jahrtausende immer nur Handschriftlich und mit den Korrekturen und Ergänzungen des jeweiliegn Schreibers vervielfältigt. Es darf jedoch darauf hingewiesen werden, daß nahezu keine existierende oder untergegangene Religion ohne extatische Rauschzustände, welche in Gruppen erlebt wurde, entstand.


Wie wird Psilocybin (die psychoaktiven Pilze) nun in unserer Zeit gehandhabt?
Der kultische Charakter ist nicht verschwunden, doch er hat sich ins Gegenteil verkehrt. Wurde in den vergangenen Jahrtausenden der Pilz als heiliges Sakrament gehütet, so wird er jetzt verteufelt. Dieses "jetzt" bezieht sich dabei auf die gesammte Zeit des Christentums und seiner Ausbreitungsgebiete. Als die Spanier Mexiko okkupierten versuchten sie schon den dortigen Pilzkult zu unterbinden. In der Gesetzgebung moderner Staaten fällt der Wirkstoff Psilocybin unter Drogengesetze, die seinen Besitz zu einer strafbaren Handlung machen. Vor dem Verzehr der entsprechenden Pilze wird gewarnt, sie werden als hochgiftig bezeichnet oder in den Pilzbüchern nicht erwähnt, wobei nie der Hinweis fehlt, daß man keine Pilze sammeln soll, die man nicht kennt. Auf die Unvollständigkiet der Bücher wird natürlich nicht hingewiesen. Die Presse greift das Thema Pilz mit einer erstaunlichen Periodizität auf, wobei fast nie eine sachliche Darstellung zu finden ist. Sogar so rennomierte Zeitschriftenschlechtes Setting = ekliger Trip wie "Der Spiegel" hauen bei diesem Thema voll daneben (letztes Quartal 1996). Es wird im wesentlichen eine systematische Panikmache in der Bevölkerung ausgelöst, die mit dazu beitragen kann, daß ein Pilztrip eben doch zu einem unangenehmen Erlebnis werden kann, da das Setting durch die starke Öffentliche Verunsicherung denkbar schlecht ist.


Doch zum letzten Punkt, dem Pilz in der Kunst.
In der Kunst kann man sehr viele Andeutungen und Hinweise auf psychoaktive Pilze erkennen, am deutlichsten und bekanntesten ist da vielleicht "Alice im Wunderland". Nach dem Genuß eines Pilzstückchens wird Alice sehr klein, sie ist so groß wie ein Insekt und hat dabei ein sehr interessantes Gespräch mit einer Raupe, die auf einem Pilz sitzt und dort Wasserpfeife raucht (was wird die Raupe da wohl rauchen?). Um wieder die richtige Größe zu erlangen muß Alice wieder von dem Pilz kosten. Auch die deutschen Märchen sparen nicht mit Pilzen, und die Illustrationen dazu kann man sich ebenso nicht ohne Pilze vorstellen. Selbst die englischen "Schlümpfe" leben in pilzähnlichen Behausungen. Alles in allem haben diese kleinen "Stummen Männlein", die allein ganz still und stumm auf einem Beine im Wald stehen einen festen Platz in unserer Vorstellungswelt und den Mythen, Sagen und Märchen unsrer Kultur.


Zum Verteiler für diese Droge Das war zwar keine chronologische Geschichtsschreibung, sondern eher eine Bestandsaufnahme;
doch wie soll man die ganze Menschheitsgeschichte in ein paar Worten wiedergeben?
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ENDE



harko