FIDO-Net: "DROGEN.GER"
Ronald Rippchen: "ZauberPilze"
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Es gibt nicht "den Pilztrip", es gibt nur Trips, die von Pilzen erzeugt wurden. Bei Halluzinogenen Drogen, wie den Pilzinhaltsstoffen Psilocybin/Pislocin, ist das Set und das Setting, also sowohl die momentane Stimmung, als auch die äußerliche Situation des Users bestimmend für die Inhalte des Trips. Bei ausreichender
Vorbereitung kann ein solcher Pilztrip sehr lehrreich sein, es kann jedoch bei ungenügender Vorbereitung, oder wenn man sich mit Pilzen versucht einer unerträglichen sozialen Situation zu entziehen, zu einem sehr unangenehmen Erlebnis kommen. Die folgenden Beschreibungen können also nur ungefähre Richtlinien geben, in keinem Falle jedoch einen Pilztrip genauestens beschreiben, da das Erlebte nie vollständig in Worte fassbar sein wird.
Fangen wir mit den Trips von Forschern an, die sich einen Eindruck von den Gebräuchen der Ureinwohner Mexikos machen wollten, oder aus rein wissenschaftlich- medizinischem Interesse Selbstversuche oder Gruppensitzungen abhielten.
Valentina Wasson nahm als erste "fremde" Fraue zusammen mit ihrer damals 18jährigen Tochter bei einer magischen Pilzzeremonie zugegen. Ihre Erlebnisse und die ihrer Tochter waren trotz des denkbar schlechten Set und Setting von außerordentlicher Sch”nheit, Klahrheit, und von einem ständigen Glücksgefühl begleitet, obwohl sie zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle über ihren Trip verlohren. "Die Pilze waren feucht, sahen grünlich aus und waren sehr schmutzig. Als ich in den ersten hineinbiß mußte ich würgen." Das ganze Zeremoniell fand in eine zugigen Lehmhütte statt, deren Dach undicht war, so daß es beständig durchregnete und sich schon kleine Pfützen auf dem Boden gesammelt hatten. "Die anfänglichen Symptome waren mild und überhaupt nicht unangenehm, ... ich fühlte mich ein wenig unsicher auf den Beinen, so als hätte ich einen Schwips. [...] Ich bemerkt, daß das rotkarierte Hemd meines Mannes von großer Farbintensität war. Ich starrte die rohen Holzmöbel an, die Risse und Astlöcher im Holz schienen ihre Form zu verändern." "Mit halbgeschlossenen Augne drehte ich mich zur Wand. Einen kurzen Augenblick glaubte hatte ich das Gefühl eine wunderschöne Tapete zu sehen. Aber dann wichen die Wände zurück, und ich wurde fortgetragen - auf und davon - auf wogenden Wellen von hellem Türkies." Sie machte während des Trips noch Reisen zu verschiedenen Plätzen, an denen sie schon einmal verweilte, doch die Visionen waren stets etwas verändert, alle waren deutlich schöner, als die Wirklichkeit es zulassen konnte. Zwischenzeitlich waren noch Schwebevisionen anwesend:"Mein Geist schwebte vor Glückseligkeit. Mir war, als schwinge sich meine Seele selbst auf, zu einem himmlischen Ort, ließe meine leere Körperhülle im Sumpf der Hütte zurück. Trotz allem war ich voll bei Bewußtsein. Jetzt wußte ich, was die Schamanen meinten, wenn sie sagten: 'Der Pilz trägt Dich zu einem göttlichen Ort.'" Auch Visionen religiöser Natur nahm sie wahr. "Das dunkle Holz der Kirche war kunstvoll geschnitzt, die bunten Glasfenster strahlten in hellem Licht. Vor mir stand ein hohes Kruzifix. Ich neigte meinen Kopf nach hinten, um die Spitze des Kreuzes sehen zu können, aber es reichte bis hoch in den Himmel. Es war so hoch, daß ich den oberen Teil der Figur auf dem Kreuz nicht mehr erkennen konnte. Mit lauter Stimme sagte ich: 'Bin ich unwürdig Gott zu sehen?' Dennoch, ich hatte zu keinem Zeitpunkt Zweifel oder Angst. Alles war kristallklahr und erlesen." Ihre Tochter berichtete, daß ihre Visionen im wesentlichen ein chronologischer Ablauf ihres Lebens gewesen war, der all die schönen und angenehmen Erlebnisse beinhaltete. Der anschließende Schlaf war sehr erholsam, am darauffolgenden Tag waren keine weiteren Wirkungen der Pilze zu spühren.
Eine ganz andere Form von Pilzerlebnissen, jedoch auch von einem wissenschaftlichen Geist getrieben, hatte Timothy Leary zu verzeichnen, als er sich zusammen mit einigen Häftlingen auf einen Trip begab.
Tim Leary sitzt mit drei Häftlingen an einem Tisch und nahmen jeder einige Tabletten synthetisches Psilocybin (Leary 14mg, die Häftlinge 20mg, jeder bekam eine seinem Körpergewicht entsprechende Dosis). "Nach etwa einer halben Stunde spürte ich erste Wirkungen, eine Aufweichung der Alltagsrealität, das Gefühl eines summenden Druckes und eine Art Raumfahrt in meinem Kopf. Dazu eine scharfe, brilliante, ja brutale Intensivierung meiner Sinne. All meine Zellen und Sinnesorgane vibrierten wie elektronisch aufgeladen. Ich fühlte mich fürchterlich. Was für ein Platz, um einen grauen Morgen zu verbringen! In einem winzigen Raum, in einem üblen Knast, out of my mind. Ich schute mir den Mann zu meiner Seite an, einen Polen aus Massechusetts. Ich konnte ihn so klahr sehen. Jede Pore seines Gesichtes, jede Unebenheit der Haut, die Haare in seiner Nase, dieser unglaubliche grün-gelbe Belag auf seinen verrotteten Zähnen, das feuchte Glimmen seiner erschreckten Augen. Ich sah jedes Haar auf seinem Kopf in einer Deutlichkeit, als seinen es dicke Bäume, jedes einzelne. Was für eine Konfrontation! Was mache ich hier, spaced out mit diesem eigenartigen Mosaikzelligen Tier, diesem Gefängnisinsassen, diesem Tier?" .... Der weitere Verlauf des Experimentes zeigt, daß es sehr wichtig war, daß sich alle über die Ziele des Experimentes im KLaren waren. Es waren immer Sitzungen, die von einem Wechselbad der zwischenmenschlichen Gefühle gekennzeichnet waren. In folgenden Sitzungen wurden dann auch die Räumlichen Gegebenheiten etwas verbessert (Räucherstäbchen, Musik, Kerzen, ...). Das Experiment wurde dann eingestellt, und wenige Jahre später hatte es die Presse geschafft die Psychedelikaforschung soweit zuverteufeln, daß deren "Prophet" Leary als "meißtgesuchter Mann dieses Planeten" vom FBI gesucht wurde.
Aus dem FIDO erhielt ich bruchstückhafte Berichte, eher kleine Episoden, welche die wesentlichen Eigenschaften eines Pilztrips wiedergeben.
Die Sinneswahrnehmungen sind auf äußerste verschärft, es treten Hallus von intensiver Färbung und komplexität auf, der Gedankjenfluß ist extrem verstärkt. Man fühlt sich wie im siebten Himmel, hat aber immer noch einen Realitätsbezug. Irgendwie hat man das Gefühl, die ganze Welt zu verstehen, man entwickelt ein Gefühl des Wissens um die Zusammenhänge, man stellt fest, daß alles gut ist. Die Wahrnehmung der Umwelt ist ein wenig verändert, das Hirn scheint die sensorischen Eindrücke nicht mehr in gewohnter Weise zu filtern, was zu den erstaunlichsten Effekten führt. Auch die mentalen Fähigkeiten sind nicht mehr so stark gesteuert wie sonst, was zu einer gewissen Abschweifbarkeit führt. Jeder Gedanke möchte am liebsten weiterverfolgt werden, eine Unterhaltung gerät zu einer Reise durch ein Fraktal, je weiter man einen Gedanken verfolgt, desto mehr Einzelheiten lassen sich ausmachen. Man gerät vom hundertsten ins tausendste, alles scheint plötzlich Aufmerksamkeit zu verdienen.
Auch zu Überdosierungen (mehr als die Doppelte Menge einer normalen Dosis) erhielt ich Berichte, die alle den selben Thenor haben.
Nach einer Überdosis Psilocybin war meißt das Denken nicht mehr so einfach, um ehrlich zu sein, es war fast unmöglich. Es war so, als ob jedes Wort, jeder Gedanke erst erfunden werden mußte. Noch nicht mal die Droge, auf der man war konnte mehr bestimmt werden. Das Wahrnehmungsvermögen wurde auf ein Minimum eingeschränkt. Einhellig wurde beschrieben, daß man das Gefühl hatte, eine völlig andere Form zu haben, ja quasi aus den Fugen zu geraten und eigentlich überhaupt keine Form mehr zu haben. Die Betroffenen hatten das subjektive Gefühl sich nicht bewegen zu können, wanderten jedoch recht zielstrebig in der Gegend umher ohne die Orientierung zu verlieren. Wenn die Wirkung etwas nachlies, so stellten sich normale Pilzvisionen ein, es kam meißt zu einem recht angenemen Ausklang des Trips.
| Auch bei Psilocybinhaltigen Pilzen gilt: Bei jedem Menschen werden die Trips anders sein. |